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Martin Frank

Martin Frank wurde 1950 in Bern geboren, er lebt in Zürich. Sein Roman "ter fögi ische souhung" in Schweizerdeutsch war ein Bestseller und wurde von Marcel Gisler verfilmt (Schweizer Filmpreis 1999). Sein Erzählband "Blinde Brüder" erhielt 2001 den Buchpreis der Stadt Bern. Im Internet veröffentlicht Martin Frank experimentelle Romane, Film Scripts, Theaterstücke und Gedichte (www.martinfrank.ch).  Ab 1970 hielt sich Martin Frank mehrmals für längere Zeit in Indien auf, wo er Hindi, Urdu und Tamil lernte. "Aruns Geschichte" erschien ursprünglich unter dem Titel "Ocean of Love" in englischer Sprache. 

Über das Buch "Aruns Geschichte":  Arun lebt in einem kleinen Dorf in der südlichen Spitze Indiens. Zusammen mit seinem besten Freund Madhu besucht er die Universität in Chidambaram, Madhu studiert dort Gesang, Arun selbst das karnatische Geigenspiel. Beide gehören der Kaste der Brahmanen an, aber Aruns Familie lebt nur von der Landwirtschaft und ist vollkommen mittellos. Arun hofft, als Musiker Geld verdienen und so zum Lebensunterhalt der Familie beitragen zu können. Erst einmal muss er jedoch einen Weg finden, um das Semester an der Universität zu finanzieren.
Es ist ein großer Glücksfall, dass ausgerechnet er einen Job als Dolmetscher für einen ausländischen Studenten bekommt, der in Chidambaram Musik studieren will. Ernst wirft mit dem Geld nur so um sich, für ihn sind die indischen Preise ein Witz, und so sind Aruns finanzielle Sorgen schnell vorbei. Dafür droht ihm nun die Schande, denn aufgrund der vielen teuren Geschenke, die Ernst ihm macht, hält alle Welt die beiden für ein Liebespaar. Arun kommt sich vor wie eine Hure, aber er kann dem guten Leben, das Ernst ihm bietet, nicht widerstehen. Obwohl er in die Studentin Mary verliebt ist, die als Christin für ihn unerreichbar ist, sind sexuelle Berührungen mit Madhu und anderen für ihn ganz normal, allerdings findet so etwas des Nachts im Schutz der Dunkelheit statt. Ernst dagegen redet offen davon, schwul zu sein, was für Arun ganz einfach ein Ding der Unmöglichkeit ist.
Martin Frank, der sich selbst lange in Indien aufgehalten hat, beschreibt in den naiven, aber sehr intensiven Worten Aruns den Alltag auf dem Land und in der Stadt, die ständige Präsenz des indischen Kastenwesens, die Ehrbegriffe im Umgang zwischen Eltern und Kindern, Schülern und Lehrern. Ernst lässt sich hinsichtlich Kleidung und Ernährung ganz auf die indischen Gepflogenheiten ein, bleibt für Arun aber dennoch so etwas wie ein Wesen von einem anderen Stern. Am Ende entfaltet sich über alle Widerstände hinweg eine zwar ungewöhnliche, aber großartige Liebesgeschichte.

Lesung am Dienstag 8.10.2013
 Beginn: Türe 19.00 / 19.30 Uhr
Wo: Gewölbekeller  Münstergasse 18, 3011 Bern
Eintritt: CHF 15.-